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Seltene Erden

Seltene Erden stehen im Zentrum zahlreicher wirtschafts- und handelspolitischer Diskussionen. Trotz ihres Namens sind diese Elemente keineswegs selten ihre technische Bedeutung, die Herausforderungen bei Förderung und Verarbeitung sowie die geopolitischen Verflechtungen machen sie zu einem strategischen Rohstoff mit hoher Relevanz für den internationalen Warenverkehr. Für den Zoll und die Außenwirtschaft ergeben sich daraus konkrete Anforderungen hinsichtlich der Wareneinreihung, Exportkontrolle, Ursprungsermittlung und regulatorischen Beobachtung.


Begriff und Einordnung

Die Gruppe der sogenannten „Seltenen Erden“ umfasst 17 chemische Elemente: die 15 Lanthanoide sowie Scandium und Yttrium. Diese Metalle zeichnen sich durch ähnliche chemische Eigenschaften aus, sind in der Erdkruste jedoch oft nur in geringen Konzentrationen verfügbar und schwer voneinander zu trennen. Ihre industrielle Bedeutung ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen sie sind essenzieller Bestandteil vieler moderner Technologien und damit ein kritischer Bestandteil globaler Lieferketten.


Auflistung der Seltenen Erden

Leichte Seltene Erden

  • Lanthan (La), Cer (Ce), Praseodym (Pr), Neodym (Nd), Promethium (Pm), Samarium (Sm)

Schwere Seltene Erden:

  • Europium (Eu), Gadolinium (Gd), Terbium (Tb), Dysprosium (Dy), Holmium (Ho), Erbium (Er), Thulium (Tm), Ytterbium (Yb), Lutetium (Lu)

Weitere Elemente:

  • Scandium (Sc), Yttrium (Y)

Einsatzgebiete und wirtschaftliche Relevanz

Seltene Erden finden Anwendung in einer Vielzahl technischer Produkte darunter:

  • Neodym und Dysprosium: Hochleistungsmagnete in Elektromotoren, Generatoren, Windkraftanlagen und Lautsprechern.
  • Europium und Terbium: Farb- und Leuchtstoffe für LED-Displays und Beleuchtung.
  • Yttrium und Gadolinium: Medizinische Bildgebung, Keramiken und Legierungen.
  • Cerium: Katalysatoren in Abgasreinigungsanlagen, Glaspolitur.

    Diese vielseitige Verwendbarkeit macht Seltene Erden zu Schlüsselfaktoren für Branchen wie die Elektromobilität, erneuerbare Energien, Informationstechnologie und Verteidigungsindustrie. Sie gelten daher als kritische Rohstoffe mit hoher strategischer Bedeutung.

Globale Förderlandschaft und geopolitische Abhängigkeiten

Die Förderung und Verarbeitung Seltener Erden ist stark geografisch konzentriert. China dominiert den globalen Markt mit einem Anteil von rund 90–95 % an der weltweiten Raffinierungskapazität. Weitere bedeutende Vorkommen befinden sich in Vietnam, Brasilien, Russland, Indien und Australien. Die Abhängigkeit von chinesischen Exporten birgt erhebliche geopolitische Risiken, insbesondere im Hinblick auf handelspolitische Spannungen, Exportrestriktionen oder technologische Abkopplung.

Um diese Abhängigkeit zu verringern, verfolgen zahlreiche Länder und Staatenbündnisse darunter auch die Europäische Union mit dem Critical Raw Materials Act Strategien zur Diversifizierung, Förderung von Recycling und Entwicklung alternativer Lieferketten.


Herausforderungen bei Abbau und Verarbeitung

Die Gewinnung Seltener Erden ist mit umwelttechnischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen verbunden. Die Rohstoffe treten meist nicht in Reinform auf, sondern in komplexen Verbindungen mit anderen Elementen. Ihre Trennung erfordert aufwendige chemische Prozesse unter Einsatz von Säuren, wodurch erhebliche Umweltbelastungen entstehen können etwa in Form von radioaktiven Rückständen oder kontaminierten Böden.

Diese Aspekte erschweren nicht nur die Erschließung neuer Lagerstätten, sondern stellen auch hohe Anforderungen an Genehmigungs- und Umweltverfahren, insbesondere innerhalb der EU.


Relevanz für Zoll und Außenhandel

Aus zollfachlicher Sicht ergeben sich bei der Ein- und Ausfuhr Seltener Erden und entsprechender Erzeugnisse vielfältige Fragestellungen:

  • Wareneinreihung und Tarifierung: Eindeutige Zuordnung innerhalb der Kombinierten Nomenklatur (KN) und korrekte HS-Codes sind essenziell für zollrechtliche und außenwirtschaftsrechtliche Pflichten.
  • Exportkontrolle: Einige Seltene Erden unterliegen aufgrund möglicher Dual-Use-Eigenschaften oder militärischer Nutzung exportkontrollrechtlichen Vorschriften.
  • Ursprungsregeln und Präferenzen: Herkunftsnachweise gewinnen angesichts geopolitischer Spannungen weiter an Bedeutung – sowohl im Präferenzursprung als auch im nichtpräferenziellen Kontext.
  • Nachhaltigkeitsberichterstattung und Compliance: Im Rahmen regulatorischer Vorgaben wie der EU-Konfliktmineralienverordnung (VO (EU) 2017/821) oder der US-amerikanischen „Form SD“ der SEC müssen Lieferketten auf verantwortungsvolle Beschaffung überprüft werden.

    Zudem rückt das Thema Rohstoffsicherung zunehmend in die strategische Planung von Unternehmen, insbesondere im produzierenden Gewerbe und der High-Tech-Industrie.

Ausblick: Strategien zur Risikominimierung

Für Unternehmen im internationalen Handel ist es essenziell, sich mit den Risiken und Entwicklungen im Bereich Seltener Erden systematisch auseinanderzusetzen. Dazu zählen:

  • Diversifizierung der Bezugsquellen.
  • Engmaschige Kontrolle von Ursprungsnachweisen und Lieferantenerklärungen.
  • Analyse exportkontrollrechtlicher Risiken.
  • Integration rohstoffbezogener Aspekte in Zoll- und Außenhandels-Compliance-Systeme.
  • Nutzung internationaler und nationaler Förderprogramme zur Rohstoffunabhängigkeit.

    Insbesondere Zollverantwortliche und Außenhandelsexperten sollten regulatorische Entwicklungen fortlaufend beobachten und frühzeitig in die unternehmensinterne Risikosteuerung einbinden.

Fazit und Handlungsimpuls

Seltene Erden stehen exemplarisch für die zunehmende Verzahnung von Rohstoffsicherheit, Umweltregulierung, technologischem Fortschritt und geopolitischer Abhängigkeit. Für den Zoll- und Außenhandelsbereich ergeben sich daraus zahlreiche operative und strategische Herausforderungen, die eine vorausschauende, compliance-orientierte und gut dokumentierte Vorgehensweise erfordern.

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