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OECD Due Diligence Guidance

Globale Lieferketten stehen zunehmend im Fokus gesetzlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Anforderungen. Die Beschaffung von mineralischen Rohstoffen aus konfliktbetroffenen und hochrisikobehafteten Gebieten stellt besondere Herausforderungen dar. Vor diesem Hintergrund hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit der Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas einen international anerkannten Standard geschaffen. Die Leitlinien zielen darauf ab, menschenrechtliche Risiken zu minimieren, Konfliktfinanzierung zu verhindern und unternehmerische Verantwortung entlang komplexer Lieferketten zu fördern.

Für Unternehmen mit Schnittstellen zum Außenhandel, insbesondere im Bereich Zoll, Exportkontrolle und Compliance, bietet die OECD-Leitlinie eine strukturierte Grundlage zur Erfüllung von Sorgfaltspflichten bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Zinn, Tantal, Wolfram (einschließlich ihrer Erze) sowie Gold.


Grundlagen der OECD-Leitlinie

Die OECD-Leitlinie wurde erstmals 2011 veröffentlicht und in Zusammenarbeit mit Regierungen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen sowie weiteren Stakeholdern entwickelt. Sie gilt als Referenzrahmen für die Umsetzung risikobasierter Sorgfaltspflichten entlang mineralischer Lieferketten – unabhängig von Unternehmensgröße, Branche oder geografischer Lage. Schwerpunkt sind Konfliktregionen und Hochrisikogebiete, in denen die Gewinnung und der Handel mit Rohstoffen zur Finanzierung von bewaffneten Gruppen, Menschenrechtsverletzungen oder Korruption beitragen können.

Die Leitlinie ist freiwillig, jedoch rechtlich relevant, da sie in zahlreichen gesetzlichen Regelwerken und branchenspezifischen Standards ausdrücklich referenziert wird etwa in der EU-Konfliktmineralverordnung oder dem US-amerikanischen Dodd-Frank Act.


Der Fünf-Schritte-Ansatz der OECD

Die OECD empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen zur Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten. Der sogenannte Five-Step Framework umfasst folgende Elemente:

1. Unternehmenspolitik und Managementsysteme

Unternehmen sollen eine klare Politik zur verantwortungsvollen Rohstoffbeschaffung formulieren und geeignete Managementsysteme etablieren. Dies umfasst:

  • die Festlegung interner Zuständigkeiten.
  • die Integration von Risikomanagementprozessen.
  • die Dokumentation und Kommunikation der Unternehmenspolitik.
  • die Sensibilisierung und Schulung relevanter Mitarbeitender.

2. Risikoanalyse in der Lieferkette

Eine fundierte Risikoanalyse bildet das Kernstück der Sorgfaltspflicht. Unternehmen müssen Informationen über Herkunft, Transportwege und Akteure in der Lieferkette einholen und bewerten. Ziel ist die Identifikation tatsächlicher oder potenzieller Risiken im Hinblick auf:

  • bewaffnete Konflikte,
  • Menschenrechtsverletzungen (einschließlich Zwangsarbeit und Kinderarbeit).
  • illegale Steuererhebungen oder Schutzgelderpressung.
  • Geldwäsche und Bestechung.

3. Strategie zur Risikominderung

Bei identifizierten Risiken sollen Unternehmen geeignete Maßnahmen zur Risikoreduzierung einleiten. Dazu zählen unter anderem:

  • die direkte Einflussnahme auf Lieferanten.
  • die Förderung verantwortungsvoller Praktiken entlang der Lieferkette.
  • die Zusammenarbeit mit branchenspezifischen Initiativen.
  • in schwerwiegenden Fällen: Beendigung von Geschäftsbeziehungen.

4. Audits durch unabhängige Dritte

Zur Überprüfung der Einhaltung der Leitlinie empfiehlt die OECD Audits durch qualifizierte, unabhängige Prüfer. Dies betrifft insbesondere Schmelzen und Raffinerien, deren Rolle in der Lieferkette besonders sensibel ist. Die Ergebnisse sollen transparent kommuniziert werden.

5. Öffentliche Berichterstattung

Abschließend sollen Unternehmen regelmäßig und transparent über ihre Sorgfaltspflichtmaßnahmen berichten. Dies fördert nicht nur das Vertrauen von Geschäftspartnern und Behörden, sondern bildet auch eine Grundlage für kontinuierliche Verbesserung. Die Berichterstattung kann über Nachhaltigkeitsberichte, Conflict Minerals Reports oder spezielle Offenlegungsformate erfolgen.


Relevanz für Zoll, Außenhandel und Compliance

Die OECD-Leitlinie hat eine hohe praktische Bedeutung für Unternehmen mit internationalen Warenströmen – auch jenseits des klassischen Rohstoffsektors. Zollverantwortliche und Außenhandelsabteilungen stehen in der Verantwortung, Transparenz in Lieferketten zu fördern und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Wichtige Anwendungsfelder sind

  • Ursprungsnachweise und Präferenzen:
    Herkunftsangaben und Lieferantenerklärungen müssen mit den Anforderungen an konfliktfreie Beschaffung abgestimmt werden.
  • Exportkontrolle:
    Rohstoffe und Komponenten aus Hochrisikogebieten können exportkontrollrechtlich relevant sein.
  • Compliance-Dokumentation:
    Die Einhaltung der OECD-Leitlinien unterstützt die Erfüllung gesetzlicher Pflichten, etwa im Rahmen des
    Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG).
  • Risikomanagement im Einkauf:
    Die systematische Lieferantenbewertung entlang der OECD-Kriterien trägt zur Vermeidung wirtschaftlicher, rechtlicher und reputationsbezogener Risiken bei.

Herausforderungen und Umsetzung in der Praxis

Die Umsetzung der OECD-Leitlinie erfordert eine langfristige Strategie und unternehmensweite Kooperation. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stehen vor folgenden Herausforderungen:

  • Begrenzte Rückverfolgbarkeit:
    Komplexe, globale Lieferketten erschweren die Transparenz bis zur Herkunftsmine.
  • Unzureichende Informationen:
    Lieferanten sind nicht immer bereit oder in der Lage, belastbare Informationen bereitzustellen.
  • Hoher Implementierungsaufwand:
    Aufbau interner Managementsysteme, externe Audits und Risikobewertungen erfordern Zeit und Ressourcen.

    Branchenspezifische Initiativen wie die Responsible Minerals Initiative (RMI), der London Bullion Market Association (LBMA) Responsible Sourcing Standard oder der ICGLR Regional Certification Mechanism unterstützen Unternehmen durch Auditstandards, Tools und Best-Practice-Leitfäden.

Ausblick und strategische Bedeutung

Die OECD-Leitlinie ist nicht nur ein normativer Referenzrahmen, sondern ein strategisches Instrument für Unternehmen, die Wert auf nachhaltige, rechtskonforme und verantwortungsvolle Geschäftspraktiken legen. Die zunehmende Verflechtung von Sorgfaltspflichten, Handelsregulierung, Zollrecht und Exportkontrolle unterstreicht die wachsende Bedeutung eines integrierten Compliance-Ansatzes. Die Orientierung an der OECD Due Diligence Guidance stärkt die Positionierung von Unternehmen als verlässliche, gesetzeskonforme Marktakteure und schafft Vertrauen entlang globaler Wertschöpfungsketten.

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