24.05.2023 | Lesezeit


EU-Zollreform: Digitale Revolution und teurer Onlinehandel

Die EU-Kommission hat am vergangenen Mittwoch eine umfangreiche Reform angekündigt, die als die ehrgeizigste seit Gründung der Zollunion im Jahr 1968 gilt. Ziel ist es, die Zollverfahren zu vereinfachen und den Übergang zum digitalen Zeitalter zu vollziehen.

Die Reform beinhaltet die Einführung einer Zolldatenplattform, die von einer neuen Behörde verwaltet wird. Diese Plattform wird bis 2038 sämtliche bestehenden IT-Systeme in der EU ersetzen und den Informationsfluss zwischen den Mitgliedsstaaten erleichtern. Dadurch sollen die Zollangelegenheiten in der EU einfacher, sicherer und vor allem digital abgewickelt werden. Die Umsetzung dieses Vorhabens wird voraussichtlich zu einer jährlichen Kostenreduzierung von etwa zwei Milliarden Euro führen.

Bereits ab 2028 ist das neue EU-System für Online-Händler verpflichtend. Für Aufsehen hat bereits eine weitere Änderung gesorgt. Die bisherige Zoll-Freigrenze von 150 Euro soll fallen, dies bedeutet das Käufe in Online-Shops in Drittländern tendenziell teuer werden. Bisher wurde bei diesen Sendungen zwar die Einfuhrumsatzsteuer aber kein Zoll erhoben. Mit dieser Maßnahme will die Kommission vor allem Betrügern zuvorkommen, die diese Wertgrenze häufig ausnutzen. Bei 65% der Päckchen und Pakete wird der Warenwert bewusst zu niedrig angegeben. Die EU-Kommission rechnet mit Mehreinahmen von rund einer Milliarde Euro die direkt dem EU-Budget zugutekommt.

Um wie viel sich der Online-Handel verteuert ist noch unklar, in Zukunft sollen die Shoppingplattformen in der Lage sein die Zollgebühren in ihre Dienstleistungen mit einzubeziehen und ihren Kunden die Kosten bereits beim Kauf offenzulegen.

Über die Pläne der größten Reform seit 55 Jahren muss nun das EU-Parlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten. 

Autorin: Manuela Häring, Customs Key Account

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