Das Harmonisierte System (HS) ist das weltweit standardisierte System zur Klassifizierung von Waren und bildet die Grundlage für Zolltarifnummern, statistische Erhebungen und internationale Handelsabkommen. Änderungen am HS erfolgen turnusmäßig alle fünf Jahre. Die nächste umfassende Revision wird jedoch erst 2028 in Kraft treten. Diese Verschiebung und die geplanten Anpassungen haben weitreichende Auswirkungen auf Zollverantwortliche, Unternehmen und den internationalen Handel.
Hintergrund der HS-Revision 2028
Das Harmonisiertes System wird von der Weltzollorganisation (WZO) verwaltet. Die 75. Sitzung des HS-Komitees fand im März 2025 statt. Dabei wurden insgesamt 105 Änderungsvorschläge sowie 299 Anpassungspakete für die Revision 2028 verabschiedet. Der finale Beschluss erfolgt voraussichtlich durch den WZO-Rat im Dezember 2025. Anschließend wird im Januar 2026 der endgültige Entwurf veröffentlicht, der ab 1. Januar 2028 weltweit Gültigkeit erlangt.
Diese Revision folgt dem übergeordneten Ziel, den globalen Warenverkehr besser abzubilden, technologische Entwicklungen zu berücksichtigen und die Transparenz bei der Klassifizierung von Waren zu erhöhen.
Auswirkungen auf Unternehmen und Zollprozesse
Die Änderungen im Harmonisierten System betreffen vor allem die ersten sechs Ziffern der Zolltarifnummer, die international einheitlich festgelegt sind. Da die EU auf Basis des HS die achtstellige Kombinierte Nomenklatur (KN) sowie den TARIC (zehnstellige Zolltarifnummer) entwickelt, sind umfassende Anpassungen in den europäischen Zolltarifen zu erwarten.
Unternehmen müssen sich rechtzeitig auf diese Umstellungen vorbereiten, da eine falsche oder veraltete Warentarifierung erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken birgt. Dazu gehören unter anderem:
- Neuzuordnung von Warencodes für bestehende Produkte.
- Überprüfung von Export- und Importgenehmigungen.
- Anpassungen in der internen IT-Infrastruktur, insbesondere in Zollsoftware und Warenwirtschaftssystemen.
- Sicherstellung korrekter Präferenzkalkulationen und Ursprungsnachweise.
Modernisierung und Zukunftsperspektiven
Die WZO hat parallel ein Modernisierungsprojekt gestartet, das über die HS-Revision 2028 hinausgeht. Ziel ist es, das System langfristig zu digitalisieren, klarer zu strukturieren und die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Bereits heute wird an der HS-Revision 2033 gearbeitet, um künftige Entwicklungen frühzeitig zu integrieren.
Strategische Bedeutung für den Außenhandel
Die Verschiebung auf 2028 gibt Unternehmen mehr Vorbereitungszeit, erfordert jedoch eine frühzeitige Planung. Gerade export- und importintensive Branchen müssen ihre Zollabteilungen strategisch ausrichten, um rechtzeitig auf die neuen Vorschriften reagieren zu können. Auch die Schulung von Mitarbeitern sowie eine engere Zusammenarbeit mit Zollberatern sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Die nächste HS-Revision 2028 markiert einen wichtigen Meilenstein in der globalen Zoll- und Handelssystematik. Unternehmen, die frühzeitig ihre Zollprozesse analysieren, Klassifikationen überprüfen und IT-Systeme anpassen, sichern sich klare Wettbewerbsvorteile. Der frühzeitige Blick auf die anstehenden Änderungen ist daher nicht nur ein rechtliches Muss, sondern auch ein entscheidender strategischer Faktor für eine effiziente und sichere Zollabwicklung.
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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung