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IraSME – Internationales Fördernetzwerk für Forschung, Innovation und grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Das internationale Fördernetzwerk International Research Activities by Small and Medium-sized Enterprises, kurz IraSME, unterstützt transnationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen. Das Netzwerk verbindet etablierte nationale Förderprogramme verschiedener Länder, um gemeinsame Innovationen zu fördern und grenzüberschreitende Projekte effizient umzusetzen. In Deutschland wird die Koordination durch die AiF Projekt Gesellschaft mit beschränkter Haftung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz durchgeführt. Für Unternehmen, die im internationalen Warenverkehr tätig sind, eröffnet IraSME eine strategische und operative Schnittstelle zwischen Innovation, Compliance und Zollregelungen.


Struktur und Zielsetzung des Netzwerks IraSME

IraSME wurde 2005 im Rahmen eines europäischen Forschungsrahmenprogramms gegründet und arbeitet seit 2011 als eigenständiges, selbsttragendes Netzwerk, das nationale Fördermittel grenzüberschreitend zugänglich macht. Ziel ist die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bei internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten, ohne dass dafür eigene zentrale europäische Mittel benötigt werden.

Die zentralen Ziele des Netzwerks sind

  • Förderung internationaler Forschungs- und Entwicklungskooperationen unter Nutzung nationaler Programme.
  • Abbau administrativer Hindernisse bei transnationalen Projekteinreichungen.
  • Unterstützung technologieoffener, marktnaher Innovationsprojekte mit hoher Markt- und Anwendungsperspektive.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in internationalen Märkten.

Die Koordination in Deutschland erfolgt durch die AiF Projekt Gesellschaft mit beschränkter Haftung, finanziell getragen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, während die Förderung in Deutschland überwiegend über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand erfolgt.


Partnerländer und Ausschreibungsmechanik

IraSME arbeitet mit einer dynamischen Gruppe von Partnerländern und Regionen zusammen. Zu den derzeitigen Teilnehmern zählen Belgien (Flandern und Wallonien), Brasilien, Deutschland, Luxemburg, Tschechische Republik und die Türkei. Die Zusammensetzung variiert je Ausschreibungsrunde, um politische und wirtschaftliche Entwicklungen flexibel abzubilden.

Die Ausschreibungen finden zweimal jährlich statt, in der Regel Ende März und Ende September. Aktuell läuft die 37. Ausschreibungsrunde, mit Einreichungsfrist bis zum 25. März 2026. Konsortien müssen mindestens Partner aus zwei teilnehmenden Ländern einbinden, können jedoch zusätzliche Forschungseinrichtungen und Technologiepartner einbeziehen. Die Förderung erfolgt nach den Bedingungen der jeweiligen nationalen Programme, in Deutschland über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).


Relevanz für Zoll- und Außenhandelsverantwortliche

Internationale Forschungsprojekte im Rahmen von IraSME haben direkte Auswirkungen auf die Zoll- und Außenwirtschaftspraxis. Folgende Aspekte sind besonders relevant:

1. Exportkontrolle und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck

Projekte können Technologien umfassen, die unter Exportkontrollregelungen fallen, einschließlich der EU-Verordnung über Güter mit doppeltem Verwendungszweck. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) überwacht diese Ausfuhren, prüft Genehmigungspflichten und gewährleistet die Einhaltung internationaler Embargos. Ein frühzeitiger Abgleich mit den zuständigen Behörden ist entscheidend, um Verzögerungen und rechtliche Risiken zu vermeiden.

2. Zollrechtliche Abwicklung von Prototypen und Versuchsmaterialien

Grüne Lieferung von Prototypen und Versuchschargen berührt die zollrechtliche Praxis. Verfahren wie vorübergehende Verwendung oder Rückwarenregelungen ermöglichen eine kosteneffiziente und rechtskonforme Abwicklung. Eine exakte Wareneinreihung und die Dokumentation des Verwendungszwecks sind Pflicht.

3. Präferenzursprung und Lieferantenerklärungen

Internationale Kooperationen erzeugen komplexe Lieferketten. Die präzise Bestimmung des Warenursprungs ist entscheidend für die präferenzrechtliche Behandlung und kann Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte auf Drittstaatenmärkten haben.

4. Transfer von geistigem Eigentum und Know-how

Transnationale Technologieübertragungen berühren nicht nur Exportkontrollvorschriften, sondern auch den Schutz geistigen Eigentums. Bei Transfers außerhalb der EU sind teilweise zusätzliche Genehmigungen erforderlich.

5. Compliance und Projektmanagement

Die Integration von Zoll- und Exportkontrollprozessen in die Projektsteuerung erhöht die rechtliche Sicherheit. Interdisziplinäre Teams aus Forschung, Recht, Zoll und Projektmanagement verbessern die Umsetzung und sorgen für regulatorische Compliance.


Rolle deutscher Behörden und Verbände

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Politischer und finanzieller Rahmen für nationale Förderprogramme wie ZIM und damit indirekt für IraSME-Projekte.
  • Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Überwachung von Exportkontrolle und dual-use Gütern, Prüfung von Genehmigungs- und Embargobestimmungen.
  • Industrie- und Handelskammern (IHK): Beratung, Informationsangebote, Schulungen zu Außenwirtschaft, Zollabwicklung und Projektförderung. Integration in das Enterprise Europe Network für internationale Partnervermittlung.
  • Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME): Unterstützung bei internationalen Beschaffungsstrategien, Supply-Chain-Optimierung und regulatorischen Anforderungen.

Diese Institutionen bieten praxisrelevante Unterstützung, die über die reine Fördermechanik hinausgeht und für die Umsetzung transnationaler Projekte von zentraler Bedeutung ist.


Strategische Vorteile für Unternehmen

Die Teilnahme an IraSME bietet Unternehmen weitreichende Vorteile:

  • Ausbau internationaler Netzwerke und Marktzugänge.
  • Professionalisierung von Zoll-, Exportkontroll- und Compliance-Prozessen.
  • Nutzung etablierter nationaler Förderinstrumente im internationalen Kontext.
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch strukturierte internationale Projektarbeit.

Die strukturierte Projektorganisation ermöglicht eine risikominimierte und rechtskonforme Abwicklung von FuE-Vorhaben über Landesgrenzen hinweg.


Praxisempfehlungen

  • Frühzeitige Prüfung regulatorischer Anforderungen für Exportkontrolle und Zoll.
  • Aufbau interdisziplinärer Projektteams aus Technik, Recht, Zoll und Projektmanagement.
  • Abstimmung mit nationalen Förderstellen zu Fristen und Bedingungen.
  • Dokumentation von Warensendungen, Verwendungszwecken und Technologieübertragungen.
  • Kontinuierlicher Austausch mit IHK, BAFA und BME für aktuelle Informationen und Best Practices.

Fazit

IraSME bietet eine effiziente Plattform für transnationale FuE-Projekte, die kleinen und mittleren Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen internationale Innovationschancen eröffnen. Die Vernetzung mit nationalen Förderprogrammen, die Einbindung von Zoll- und Exportkontrollkompetenz sowie die Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden schaffen eine rechtssichere und effiziente Umsetzung grenzüberschreitender Innovationsprojekte. Für Unternehmen im internationalen Warenverkehr bedeutet dies operative Effizienz, strategische Sicherheit und erhöhte Wettbewerbsfähigkeit.

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