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DERA-Risikogruppen

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA), Teil der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), ist das zentrale Instrument zur Sicherstellung der Rohstoffversorgung Deutschlands und der Europäischen Union. Sie analysiert systematisch kritische Rohstoffe, bewertet potenzielle Versorgungslücken und leitet daraus strategische Handlungsempfehlungen für Industrie, Politik und Wirtschaft ab. Ein Kernwerkzeug dieser Analyse ist die Einteilung von Rohstoffen in Risikogruppen, die geopolitische, wirtschaftliche und marktspezifische Faktoren integriert.


Kriterien der Risikobewertung

Die DERA bewertet Rohstoffe anhand eines mehrdimensionalen Risikomodells, das quantitative und qualitative Kriterien kombiniert:

  • Importabhängigkeit: Rohstoffe, die überwiegend aus wenigen Ländern bezogen werden, sind besonders versorgungsanfällig. So stammen über 90 % der Seltenen Erden für europäische Märkte aus China, während Kobalt zu rund 70 % aus der Demokratischen Republik Kongo importiert wird.
  • Geopolitische Risiken: Politische Instabilität, Handelsrestriktionen und internationale Sanktionen können die Versorgung erheblich beeinträchtigen. Länder mit hoher Unsicherheit gelten als besonders risikobehaftet.
  • Marktrisiko und Verfügbarkeit: Preisvolatilität, begrenzte Fördermengen und eingeschränkte Substituierbarkeit erhöhen die Versorgungsempfindlichkeit. Rohstoffe, die nur schwer recycelbar oder ersetzbar sind, gelten als besonders kritisch.
  • Strategische Relevanz: Rohstoffe, die für Schlüsselindustrien wie Elektromobilität, erneuerbare Energien, Hochtechnologie oder Verteidigungstechnologie unverzichtbar sind, werden als strategisch besonders relevant eingestuft.

Risikogruppen im Überblick

Die DERA unterscheidet drei Risikogruppen:

  • Hochrisiko-Rohstoffe (Risikogruppe 1):
    Diese Rohstoffe sind stark abhängig von wenigen Lieferanten und weisen hohe geopolitische Risiken auf. Typische Beispiele sind Seltene Erden wie Neodym und Dysprosium aus China oder Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo. Aufgrund des hohen Importanteils (>70–90 %) sind Versorgungsausfälle oder politische Konflikte direkt relevant für die industrielle Produktion.
  • Mittelrisiko-Rohstoffe (Risikogruppe 2):
    Rohstoffe mit mittlerer Lieferantenkonzentration und teilweise Substituierbarkeit fallen in diese Kategorie. Beispiele sind Nickel und bestimmte Lithiumquellen. Die Versorgung ist vergleichsweise stabil, dennoch müssen Unternehmen mögliche Engpässe und Preisvolatilität aktiv beobachten.
  • Geringes Risiko (Risikogruppe 3):
    Diese Rohstoffe weisen stabile Versorgung, diversifizierte Lieferquellen und geringe strategische Abhängigkeit auf, etwa Industriemetalle wie Kupfer oder Aluminium. Hier ist das Risiko von Versorgungsunterbrechungen relativ gering, standardisierte Lieferantenkontrollen und operative Integration in das Rohstoffmanagement genügen meist.

Internationale Vergleichsperspektive

Die DERA-Risikogruppen lassen sich im internationalen Kontext einordnen:

  • EU Critical Raw Materials List: Fokus auf strategische Abhängigkeit für Industrie und Technologie.
  • USA – Critical Minerals Strategy: Priorisierung von Versorgungssicherheit, Importabhängigkeit und Rohstoffen für Verteidigung und Energie.
  • Japan – Strategic Mineral Policy: Kombination aus Risikobewertung und Recyclingstrategien.

Diese Einordnung zeigt, dass die DERA eine europäisch spezifische Perspektive bietet, während internationale Strategien unterschiedliche Gewichtungen in Bezug auf Industrieabhängigkeit und Recyclingfokus haben.


Operative und strategische Implikationen für Zoll und Außenhandel

Die Klassifikation der DERA-Risikogruppen beeinflusst Unternehmen in mehreren Dimensionen:

  • Risikobasierte Lieferantenprüfung: Hochrisikogüter erfordern intensive Due-Diligence-Prüfungen, sowohl politisch als auch wirtschaftlich.
  • Strategische Lagerhaltung und Supply-Chain-Resilienz: Sicherheitsbestände und langfristige Lieferverträge sichern die Versorgung kritischer Rohstoffe.
  • Compliance-Management: Exportkontrollen, Sanktionsprüfungen und Genehmigungspflichten sind besonders bei Risikogruppe-1-Materialien relevant.
  • Diversifikation der Beschaffungsquellen: Alternativen zu hochriskanten Rohstoffen reduzieren Abhängigkeiten und erhöhen die Resilienz der Lieferkette.
  • Integration in Unternehmensstrategie: Die Risikogruppen sollten in das unternehmensweite Rohstoff- und Risikomanagement eingebunden werden, um operative und strategische Entscheidungen zu optimieren.

Praxisbeispiel

Ein Hersteller von Elektromotoren, der Neodym aus Risikogruppe 1 benötigt, implementiert folgende Maßnahmen:

  • Prüfung alternativer Lieferanten außerhalb Chinas (z. B. Australien, USA).
  • Aufbau strategischer Lagerbestände zur Absicherung gegen Lieferengpässe.
  • Frühzeitige Einbindung der Zoll- und Compliance-Abteilung in den Beschaffungsprozess.
  • Monitoring geopolitischer Entwicklungen und Anpassung der Lieferstrategie bei Verschärfung politischer Spannungen.

Diese Maßnahmen sichern die Versorgung, minimieren Produktionsunterbrechungen und reduzieren regulatorische Risiken.


Fazit

Die DERA-Risikogruppen sind ein strategisches Instrument zur Bewertung kritischer Rohstoffe. Sie ermöglichen eine differenzierte Risikobetrachtung, fördern operative Stabilität, unterstützen Compliance-Anforderungen und erhöhen die Resilienz von Lieferketten. Durch die Integration in das unternehmensweite Rohstoff- und Risikomanagement können Abhängigkeiten frühzeitig erkannt, Maßnahmen gezielt abgeleitet und die Versorgungssicherheit nachhaltig gestärkt werden. Für Zollverantwortliche, Zollbeauftragte und Fachkräfte im Außenhandel ist dies ein unverzichtbares Instrument zur fundierten Entscheidungsfindung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

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